MÖWE II: Erste Etappe der Atlantiküberquerung

Möwe2 - DaGallo

Reinhard Laufer ist – ungewöhnlich für einen Österreicher – ein echter Seebär. Er segelt seit einem halben Jahrhundert, hat drei Atlantiküberquerungen und rund 60.000 Seemeilen als Skipper auf dem Buckel. In diesen Tagen überführt er die Möwe II, eine Hanse-Yacht von 53 Fuß, von Kroatien in die Karibik – übrigens in maßgeschneidertem Ölzeug von DaGallo. Hier im Blog lesen wir von seinem Abenteuer.

Wir nennen unser Projekt „Die große Runde“. Sie führt uns von Split über Palermo-Palma-Gibraltar-Teneriffa-Martinique nach St. Lucia. Unser Schiff, eine Hanse 545, als Dreikabinen-Eignerversion, wurde für diese Fahrt mit  Breitbandradar und Satellitentelefon nachgerüstet, außerdem mit einem dritten Reff fürs Großsegel und einem 230 m2 Gennaker ausgestattet. Wir sind also bestens vorbereitet auf das Abenteuer Atlantik!

Sonntag, 26.10.14
Um ca. 14:30 Uhr ist es endlich soweit: Die Möwe II ist fertig und wir lösen die Leinen im Hafen von Split. Die „große Runde“ beginnt. Wir wollen noch einmal auf der Insel Vis nächtigen, um einen Probeschlag zu haben und nicht gleich die erste Nacht mit einem für die Crew fremden Schiff durchfahren. Nach Vis sind es 30 Meilen. Es wird ein entspanntes Segeln in die Dämmerung. Wir wollten dort am nächsten Tag ausklarieren und am Abend noch einmal kroatischen Fisch genießen. Da nurmehr eine Pizzeria geöffnet ist, wird es eine Pizza “Frutti di Mare”.

Montag, 27.10.14
Kroatische Hoheitsgewässer zu verlassen, ist schwieriger als gedacht: Erst bin ich wegen der Zeitumstellung zu früh im Stadtbüro, um die Liegegebühr – stattliche 100 Euro – zu entrichten. Dann klappt der Ausklarierungstermin bei der Polizei nicht, weil die Wache außerplanmäßig geschlossen ist. Doch mit einigen Telefonaten einer netten Dame von der Stadtverwaltung geht dann doch alles. Kurz vor zehn treibt uns der Diesel Richtung Süden – leider ist nur wenig Wind.

Mein „Navicenter“ mit “Expedition Routing Software” und das Tablet mit den Radardaten funktionieren hervorragend. Beide sind über Go Free mit dem SIMRAD Netzwerk verbunden. Ich kann übers Tablet den Plotter und damit den Autopilot steuern.

Dienstag, 28.10.14
Um 05:00 Uhr setzen wir Segel. Das ist das Beste, was mir an meinem Sechzigsten passieren kann! Ein NE schiebt uns nach Süden. Um 06:30 Uhr müssen wir sogar noch ein Reff einbinden. Zu Mittag kommt dann wieder die Eiserne Genua zum Einsatz, da der Wind abflaut. Abends gehen wir in Santa Maria de Leuca in der Marina längseits. Ich wollte eigentlich bis Crotone weiterlaufen, aber so komme ich an meinem runden Geburtstag doch noch zu einem Bier und später sogar noch zu einem guten Rotwein. Die Liegegebühr von 34 Euro kommt uns nach Split fast lächerlich vor. Wir wollen eigentlich offiziell einklarieren, da Kroatien nicht zum Schengen-Raum gehört, werden aber mit der Bemerkung „all Europe“ abgewimmelt. Im Ort finden wir dann noch ein hervorragendes Restaurant. Die anschließende Rotweinflasche an Bord wird aber nicht mehr geleert – alle sind müde.

Mittwoch, 29.10.14
Ausschlafen, gut frühstücken, tanken und dann raus – so war der Plan. Den durchkreuzt eine Motoryacht, die während des Frühstücks an die Tankstelle geht. Also warten. Kurz darauf dieseln wir mangels Wind wieder los. Am Nachmittag beim Einholen unserer Angel dann eine Überraschung: Unserem Plastikwobbler fehlen beide Drillingshaken und in der Mitte hatte er ordentliche Bissspuren. Danach eine ereignislose Nacht unter Maschine.

Donnerstag, 30.10.
Am späten Vormittag durch die Straße von Messina. Diesmal ziemlich unspektakulär. Jetzt dieseln wir Richtung Lipari, wo wir die Nacht verbringen wollen. Dort abends gut essen und dann noch auf ein Bier in den Ort. Lipari außerhalb der Saison ist wirklich entzückend!

Freitag, 31.10.14
Kurz vor neun verlassen wir Lipari. Am späteren Vormittag setzen wir Segel, heute erstmals auch den neuen Gennaker. Doch die Öse für die Halsleine reißt nach ca. 20 Minuten. Da der Wind auffrischt, wandert der Gennaker zurück in den Sack.

Highlight des Nachmittags: Ein plötzlicher Biss an der Angel, am gestern erstandenen neuen Gummi-Tintenfisch. Leider können wir auch diesen Fisch nicht landen – die Angelleine hat sich in der Hitze des Gefechts ums Ruder gewickelt. Was soll’s, wir bleiben dran. Wird schon noch klappen mit einer Fischmahlzeit.

Samstag, 1.11.14
Zu dem Problem mit dem beschädigten Gennaker gesellt sich über Nacht ein weiteres: Seit wir in Palermo angelegt und den Motor abgestellt haben, lässt sich der Watermaker nicht mehr abschalten. Nach mehreren Versuchen bleibt nur eins: Seitenschneider zur Hand und Kabel kappen. In der Früh organisiere ich über die Marina einen Elektriker und einen Rigger. Der Elektriker meint, der 1. November sei ein hoher Feiertag und er könne erst am Montagmorgen wieder kommen. Der Rigger sagt für Sonntag zu. Uns bleibt nichts, als ein gutes Restaurant in der Altstadt aufzusuchen. Später kommen zwei neue Mitsegler und drei gehen von Bord. Die obligatorische Sicherheits- und Technikeinweisung beschäftigt uns den Rest des Abends.

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by Reinhard Laufer

Reinhard segelt seit 50 Jahren, zuerst auf den Seen der Steiermark, dann zwischen den Inseln Kroatiens, zuletzt dreimal über den Atlantik. Gerade überführt er die „Möwe II“, eine Hanse 545 Dreikabinen-Eignerversion, von Kroatien in die Karibik.