MÖWE II: Gibraltar – Teneriffa

Sonntag, 16.11.

Der Plan war: Den Sonntag mit Reparaturen verbringen, am Abend nach der Arbeit in die Stadt gehen. Am Montag zuerst einen Block mit Hundsfott und eine neue Fockschot kaufen, dann auslaufen und in Tarifa das Großsegel reparieren lassen. Doch nachdem wir die Wetterdaten angeschaut und mit Andreas Hanakamp telefoniert hatten, der mich in allen seglerischen Dingen berät und sich wie ein „großer Bruder“ um uns kümmert, wussten wir,: Wir müssen so schnell wie möglich los. Also Bootsmannsnaht ins Groß und Tapes darüber, Taklings um die schadhaften Stellen des Fockschots, den kaputten Block mit Hundsfott durch einen „low Friction Hook“ und eine Schäkel ersetzen und hoffen, dass unsere Reparaturen den für Mitte bis Ende der Woche vorhergesagten Starkwind standhalten werden. Einkaufen und Wasserbunkern,  Tankstelle und ab. Beim Wegfahren fällt die Spülfunktion der hinteren Toilette komplett aus. Also Toilettensperre. Unter Diesel in die Dämmerung und in den Atlantik.

Montag, 17.11.

Eine der ersten Großtaten nach dem Frühstück: Ludwig tauscht die Elektronik der hinteren Toilette und befestigt auch gleich die lockere Duschwand. Am Vormittag frischt der Wind soweit auf, dass wir Segel setzen können. Herrliches Atlantiksegeln mit langer Welle, zuerst unter Gennaker, dann Normalbesegelung. Um 15:00 Uhr bin ich gerade beim Tagebuchschreiben als wir einen Biss an der Angel haben. Statt sofort auf Gegenkurs zu gehen, hantiert die Deckmannschaft an der Rolle. Bis ich am Ruder bin, reißt die 120 kg tragende Leine und Köder, 200m-Leine und Fisch sind weg. Da waren meine Instruktionen wohl mangelhaft. Ich finde 200m Takelgarn – ein bischen dicker und wahrscheinlich nicht so stark – aber wir können wieder angeln……

Um 18:30 Uhr geht der Gennaker wieder hoch. Jan verschleißt einen Hilfskoch nach dem anderen, da die meisten die Welle von der Seite unter Deck nicht vertragen. Es gibt trotzdem ein ausgezeichnetes Risotto mit Karotten. Bei einem missglückten Gennakerhalsemanöver im Dunkeln verwickeln wir das Segel derart, dass es komplett geborgen und in die Skipperkabine gepackt wird.

Dienstag, 18.11.

Tagsüber immer mehr Wind und Regengüsse zwischen sonnigen Abschnitten. Ständiges Hin-und-Her zwischen erstem und zweitem Reff. Seegang so, dass an normales Kochen nicht zu denken ist. Also mache ich Astronautenfutter – Erbseneintopf und Kartoffelsuppe – für die wenigen, die noch Essen wollen. Später wird es wieder ruhiger. Dann ein plötzlicher Winddreher auf West und wir können unseren Idealkurs fast anliegen. Das durchgescheuerte Reff 1 wird gekürzt und damit die Schadstelle entfernt. Der Idealkurs ist leider von kurzer Dauer – es dreht wieder auf Süd. In der Nacht refften wir wegen einer schwarzen Wolke. Und das ist auch gut so…

Mittwoch, 19.11.

Sehr ruppig. Hart am Wind bei zwischendurch über 20kn wahrem Wind. Herumbasteln zwischen Reff 1 und 2. Später auch die Fock reffen. Tagsüber sichten wir die „Gof”, die in Palma di Mallorca mit uns am gleichen Steg lag (dort, wo wir das kleinste Boot waren). Über Funk verabreden wir uns auf ein Bier in Santa Cruz auf Teneriffa. Warten und hoffen auf den angesagten Dreher. Reff 2 ist auch durchgescheuert und wird entsprechend gekürzt. Ein Spatz landet entkräftet an Bord. Wir versuchen ihn vergeblich zu füttern und zu tränken.

Donnerstag, 20.11.

Warten auf den Winddreher – immer noch. In der Früh entdecken wir, dass unser Bordvogel tot ist. Er bekommt eine Seebestattung. Dann starte ich den Generator, weil unser Stromvorrat zur Neige geht. Nach 10 Minuten fällt er aus und lässt sich nicht mehr starten. Dann starte ich die Hauptmaschine – die fällt auch nach 10 Minuten aus. Wahrscheinlich Dreck im Diesel, der durch die starke Lage und die Wellen aufgeschüttelt wurde. Ludwig und Simon bringen die Hauptmaschine wieder zum Laufen. Der Generator wird auch entlüftet, Diesel kommt aber zu wenig. Für den Generator bestelle ich per Satellitentelefon zwei Dieselfilter, die Günther mitbringen wird.

Der Winddreher ist laut neuesten Satellitendaten zwischen 14:00 und 18:00 Uhr zu erwarten. So um 15: 00 Uhr ist es dann soweit. Wir sind im dritten Reff und als es weniger wird, reffen wir zuerst die Genua aus. Die Möwe spürt, dass es los geht: Im dritten Reff im Groß mit voller Fock machen wir kurzfristig am Wind über 10kn. Ein super Gefühl! Endlich geht’s in die richtige Richtung – nach Süden. Hätten wir aber zuvor nicht so viel Weg nach West gemacht, würden wir irgendwo in Afrika landen oder tagelang aufkreuzen müssen. Andreas Hanakamp und der Expedition-Software sei Dank! Dann entdecken wir, dass unsere Reffleine für das 2. Reff durchgescheuert ist. Also nurmehr 1 und 3. Sven, unser Bordarzt, setzt erstmals den großen Medizinkoffer ein und verarztet eine Platzwunde an Ludwigs Schienbein mit Steristrips. Desinfektionsmittel wird exzessiv eingesetzt und ist bald aus – also Nachbestellung bei Günther. Zwischendurch eine kurze Flaute, aber die kommt fast gelegen, da wir sowieso Strom machen müssen. Da am Nachmittag niemand gekocht hat, gibt es am abends nochmals Astronautenfutter. Schmeckt allen, diesmal muss ich mehrere Nachschläge produzieren.

Freitag, 21.11

Ein Tag wie im Bilderbuch. In der Früh gibt’s viele Eier mit wenig Brot. Es klart auf, am Vormittag geht der Gennaker rauf – und die Möwe fliegt. Nachmittags, nachdem die Reissleine (macht den Schäkel am Gennakerhals auf und verhindert so einen Sonnenschuss) gezogen werden musste, wechseln wir wieder auf die Fock. Vorher entdecken wir zuerst am AIS und dann am Horizont die Segelyacht Zig Zag Mouf (laut AIS 25m lang). Aber wir sind unter Gennaker gut einen Knoten schneller! Dann wird erstmals auf dieser Reise Brot gebacken. Ich beschließe, das Genuaschot, das Großschot, Reff 1 und 2 zu wechseln und ein Reservefall zu bestellen. Da fraglich ist, welche Qualität wir in Teneriffa bekommen, bestelle ich alles im letzten Moment bei Andreas. Günther wird es mitbringen. Dann wird Abendessen gekocht, der Gennaker geht wieder rauf und ich surfe mit bis zu 12 kn in die Nacht.

Samstag, 22.11.

Weiter traumhaftes Segeln bei besten Bedingungen – jeder Rudergänger ist begeistert. Wir machen einen Schnitt von knapp 9kn. Um 04:40 Uhr gehen wir in der Marina Atlantico in Santa Cruz/Teneriffa längseits. Vor uns liegt die „Gof“, mit der wir unterwegs Kontakt hatten. Nach einer sehr kurzen Nacht versuchen wir einen Segelmacher aufzutreiben, werden aber auf Montag vertröstet. Unsere ersten Crewmitglieder verlassen uns schon um acht Uhr. Die anderen übernehmen ihre Putzarbeit. Am Nachmittag sind dann Renato und ich allein. Plötzlich fährt ein grüner Bus (36 Sitzer) vor und unsere fünf Mitsegler steigen aus. Günther hat gleich den ganzen Bus organisiert. Nach einem Begrüßungsbier, Kojeneinteilung und Auspacken gehen wir essen. Die nächsten Tage stehen im Zeichen von Reparaturen und Vorbereitungen auf die lange Etappe über den Großen Teich. Es wird spannend!

 

Von Ende Februar bis Anfang April segelt die MÖWE II in der Karibik.

Hierfür freue ich mich über Mitsegler!

Auch für die Überstellung der Yacht zurück von Tortola (Britische Jungferninseln) nach Montenegro (Adria) sind noch Plätze zu haben.

Bei Interesse bitte melden unter reinhard@laufer.at

 

 

Blog15-DaGallo-Atlantiküberquerung-Möwe2-Etappe4-Bug

 

Blog15-DaGallo-Atlantiküberquerung-Möwe2-Etappe4-Nebel

 

by Reinhard Laufer

Reinhard segelt seit 50 Jahren, zuerst auf den Seen der Steiermark, dann zwischen den Inseln Kroatiens, zuletzt dreimal über den Atlantik. Gerade überführt er die „Möwe II“, eine Hanse 545 Dreikabinen-Eignerversion, von Kroatien in die Karibik.