MÖWE II: Im Hafen von Teneriffa

Sonntag, 23.11.
Nach ausgiebigen Ausschlafen erstellen wir eine riesige ToDo-Liste. Ganz oben: Watermaker und Generator. Letzterer dürfte durch die starke Lage und den Seegang zusammen mit dem niedrigen Dieselstand Luft gesaugt haben. Aber schon bald schnurrt er wieder. Wir montierten das Großsegel ab und bereiten es für den Segelmacher vor. Unsere Ingenieure verlegen die Kompassbeleuchtung auf einen eigenen Schalterplatz. Bis jetzt gingen nur entweder Navigationslichter und Kompasslicht oder die Dreifarbenlaterne ohne Kompasslicht. Ist so von der Werft vorverkabelt! Als wir am Abend aus der Stadt in die Marina kommen, streue ich den Bootsschlüssel im Taxi aus.

Montag, 24.11.
Nicht um neun, wie vereinbart, sondern um elf kommt der Segelmacher, nimmt unser Segel mit und sagt die Lieferung für Dienstagabend zu. Ich finde einen Block mit Hundsfott in Santa Cruz!!! Zwischendurch zum Friseur. Kaufe zweite Angelrute mit Spule, einen Heißschneider, Silikon- und Kontaktspray. Hannes und Moritz jagen hinter Kabeln und großen Lüsterklemmen her. Vorher kommt noch der Tankwagen. Leider schäumt der Diesel so, dass das Entlüften nicht mehr funktioniert und wir dadurch etwas wenig Diesel haben. Günther lässt die Reinigungsöffnung des Tanks aufschrauben. So können wir volltanken und 150l in Kanistern als Reserve mitnehmen. Der Watermaker wird von unseren Technikern auch wieder zum Laufen gebracht.

Dienstag, 25.11.
Einkauf des Unterliekstreckers, der dann auch zusammen mit dem neuen zweiten und ersten Reff, der Fockschot und der Großschot eingeschoren wird. Früher als erwartet ist der Segelmacher mit dem Segel zurück – unrepariert. Seine Nähmaschine sei kaputt. Das ist ein gewaltiger Tiefschlag! Wir erörtern die Möglichkeiten der Selbstreparatur: Die Mittel und auch das Know How hätten wir eigentlich. Trotzdem ist eine professionelle Reparatur wäre besser – nur im Notfall wollen wir es selbst machen. Angeblich kommt morgen ein anderer Segelmacher, ein verlässlicher. Ich telefoniere mit ihm, siehe da, es ist ein Schweizer. Wir hoffen und waschen auf sein Geheiß noch das Segel. Ich spleiße dann noch einen Low Friction Ring in ein Dyneemaende und wir bringen dadurch die Zugrichtung so hin, dass nichts mehr schamfilt. Günther und Renato gehen Lebensmittel, Moritz und Hannes technische Notwendigkeiten einkaufen. Ich mache Lost & Found wegen dem Schlüssel – ergebnislos. Unser Einkauf soll zwischen 18:00 und 21:00 Uhr geliefert werden. Als um 20:30 Uhr noch nichts da ist, macht sich Günther auf den weg und schafft doch noch die Lieferung, die der Supermarkt inzwischen auf Freitag verschoben hatte. Um 23:00 Uhr sind wir mit dem bunkern fertig und holen beim Chinarestaurant etwas zu essen.

Mittwoch, 26.11.
Um spanisch zehn, also um halb elf, kommt der Segelmacher und verspricht, unser Segel bis zum darauffolgenden Tag am Abend zu richten. Wir sollen es in der Marina San Miguel beim südlichen Flughafen abholen. Wir beschließen schon um 13:00 Uhr abzulegen und dorthin zu fahren. Die Marina liegt in einem Hotel- und Ferienhauskomplex mit Golfplatz im Nichts. Am Abend gehen wir essen. Die Gerichte passen zum Rest. Die Wetterprognose sagt uns: Unbedingt am Freitagabend weg, sonst Starkwind!

Donnerstag, 27.11.
Als wir gerade das Leck am Boiler reparieren, ruft Thomas, der Segelmacher, an: Ich soll sofort kommen. Das Achterliek ist im oberen Drittel extrem spröde und teilweise schon gebrochen. Nach Besprechung mit einem lokalen Skipper und Herunterladen der neuen Gribfiles, verschiebe ich unser Auslaufen um 2 bis 3 Tage. Der Starkwind aus westlichen Richtungen kommt früher. Außerdem ist unser Segel nicht trocken und so kann Thomas noch nicht kleben und daran arbeiten. Nach Reparatur des Lecks ist unser Boiler an einer anderen Stelle undicht. Wir brauchen ein Ersatzteil, dass es hier nicht gibt. Die Crew wird langsam ungeduldig und unzufrieden. Am Abend, nach Studium der neuen Gribfiles, schaut es aus als würde ein Auslaufen für Samstag 15:00 Uhr möglich sein. Das gleiche sagt auch eine SMS von Andres Hanakamp. Man mag’s kaum glauben: Derzeit pfeifft es im Hafen mit 30kn – und es soll noch mehr werden.

Freitag, 28.11.
In der Nacht hatten wir bis 45kn im Hafen. Das Leck beim Boiler ist dicht, aber dafür gibt es jetzt ein Neues. Das Ganze nur, weil wir in der Gegend des Boilers Trinkwasserflaschen gestaut haben und beim Einräumen nicht vorsichtig genug waren. Dieter gibt dem Segelmacher 100 € extra, um ihn dazu zu bringen, am Samstag Vormittag auf seinen Bauernmarkt-Besuch zu verzichten und unser Segel zu machen. Als ich ausklarieren will, bekomme ich nur ein Papier mit Marinastempel. Offiziell Ausklarieren kann man nur in Santa Cruz. Dort hat man mir aber in der Marina erklärt, dass es auch in San Miguel möglich sei.

Samstag, 29.11.
Dieter und Renato helfen dem Segelmacher, Hannes, Moritz und ich fahren mit dem Taxi nach Santa Cruz. Ich um auszuklarieren, Hannes und Moritz kaufen Sanitärersatzteile um 11 €. Damit wird dann der Boiler repariert. Um ca. 16:30 Uhr bekommen wir dann unser Segel, das wir dann nach einem Bier mit dem Segelmacher anschlagen. Den ausgerissenen Reissverschluss am Lazybag näht er nicht, da der Stoff dort schon so schwach ist und auszuwechseln wäre. Am Abend gehen wir noch einmal essen und ich trinke mein letztes Bier für eine längere Zeit. Alle sind froh und gespannt auf’s Auslaufen: Morgen geht’s endlich los!

Großsegelhorn ausgerissen

 

vor der Abfahrt

 

Tanken

 

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by Reinhard Laufer

Reinhard segelt seit 50 Jahren, zuerst auf den Seen der Steiermark, dann zwischen den Inseln Kroatiens, zuletzt dreimal über den Atlantik. Gerade überführt er die „Möwe II“, eine Hanse 545 Dreikabinen-Eignerversion, von Kroatien in die Karibik.