MÖWE II: Palma – Gibraltar

Sonntag, 9.11.14
Heute steht die Sicherheits- und Technikeinweisung für die neue Crew an. Einkaufen würden wir auch gern, aber die Geschäfte sind zu. Laut Wetterbericht wird morgen Vormittag eine Kaltfront durchgehen – wir wollen deshalb erst mittags auslaufen. Laut Gribfiles von heute und Expedition-Routing werden wir 3 Tage und 20 Stunden nach Gibraltar brauchen.

Montag, 10.11.14
Am Vormittag endlich einkaufen. Neben den Lebensmitteln bekomme ich das bestellte Kontrollpaneel für das Elektro-WC, weiters eine neue Lenzpumpe, da die vorhandene Schwimmschalter nicht zuverlässig arbeitet. Wir tanken noch 270l Diesel und legen gegen 13:00 Uhr ab. Kurz vor vier kommt Wind auf und wir segeln in den Abend und die mondhelle Nacht – herrlich.

Dienstag, 11.11.14
Der Wind frischt am Morgen auf. Kurz vor sechs Reff 1, um elf Reff 2, dann Reff in die Fock und um 13 Uhr Reff 3. Der Seegang zieht mit und steigert sich bis Douglas 4. Am Funk hören wir, dass ein Fischerboot mit fünf Mann an Bord überfällig sei. Dann ein Mayday Relay – es wurde eine rote Rakete gesichtet. Wir beschließen Richtung Norden abzulaufen. Als sich das Wetter um 16:00 Uhr etwas bessert, wird die Fock wieder ausgerollt und wir gehen hart an den Wind Richtung Gibraltar. Es hat ca. 28 Knoten wahren Wind. Um 16:30 Uhr bricht dann der Schäkel am Kopf der Fock mit einem lauten Knall und die Fock kommt ca. drei Meter herunter. Wir können sie aber noch relativ gut wegrollen. Dann ist wieder ablaufen angesagt. Als Ziel suchen wir uns die Marina Greenwich (heißt so weil 00° 00´ Ost). Um 21:10 Uhr legen wir an. Das Bugstrahlruder funktioniert nicht, wahrscheinlich auf Grund der Schläge, die wir durch die Wellen abgekriegt haben. Aber das Anlegen klappt auch so. An dieser Stelle ein großes Lob an die Crew, die diesen Tag gut gemanagt haben! Wir fallen alle ziemlich fertig in die Kojen.

Mittwoch, 12.11.14
Ausschlafen, Schadensbegutachtung, Lenzen – ein bisschen Salzwasser ist beim Mast und kleineren Leckagen an Deck und Luken hereingekommen. Wir bergen die Fock und legen sie am Kai auf. Großes Aufatmen: An zwei Stellen ist der UV-Schutz zerfleddert – sonst keine Schäden. Wir bestellen einen Segelmacher, der verspricht innerhalb von 24 Stunden einen neuen UV-Schutz zu montieren und einen kleinen Schaden am Vorliek zu reparieren. Der Werkzeugkoffer hat sich am Vortag selbständig gemacht und das Schloß des Schrankes, in dem er gestaut war, demoliert. Leider bekommt dadurch mein Sextant, der ein Fach höher gestaut ist, ebenfalls Ausgang. Ich hoffe, er hat das Ganze gut überstanden. Wir bekommen in der Marina neue Schäkel und ein neues Schloß. Zu unserem gebrochenem Schäkel sagte der Verkäufer nur: „China Quality!“ Und er hat recht. Der Werkzeugkoffer bekommt einen neuen Stauort. Wir arbeiten unsere To-Do- Liste ab und sind froh, einen Tag zum Regenerieren zu haben. Am Bugstrahlruder war ein Kontakt abgefallen. Bei dieser Gelegenheit bauen wir auch die neue Lenzpumpe ein und testen sie, indem wir mit dem Schlauch Wasser in das entsprechende Bilgenkompartiment leiteten – funktioniert einwandfrei. Ohne Jorge, den Jürgen, der in Spanien wohnt, wären wir nicht weit gekommen. Aber er spricht Spanisch wie ein Einheimischer und dolmetscht alles. Er packt überall mit an und ist auch durch seinen „Zivilberuf“ Elektriker eine tolle Hilfe.

Donnerstag, 13.11.14
Als wir das Groß ein Stück aufziehen, um das oberste Drittel der Liekleine dichter zu holen, entdecken wir unter dem 3. Reff einen ca 25cm langen senkrechten Riss hinter einem Rutscher. Das wird getapet und die Reparatur auf Gibraltar verschoben. Laut Wetterbericht haben wir sowieso zwei Dieseltage vor uns. Da zwei Crewmitglieder am Samstag Nachmittag ihre Heimflüge haben, läuft uns die Zeit davon. Es war wenig Wind vorhergesagt und dieser immer genau auf die Nase. Als ich wie vereinbart mit der Marina in Gibraltar Kontakt aufnehme, wo wir vorreserviert hatten, kommt die nächste Überraschung: Derzeit nichts frei für unseren Tiefgang – soll morgen noch einmal Kontakt aufnehmen. Ich bin ein Optimist und hoffe auf einen Liegeplatz und einen Segelmacher, der übers Wochenende arbeitet. Ich beschließe in Gibraltar auch das Fockschot auszuwechseln, da ich einen Mantelschaden entdeckte. Hätte ich doch schon in Kroatien machen sollen. Um 13:00 Uhr legen wir ab und dieseln Richtung Gibraltar. Über Nacht frischt es auf, es gibt mehr Seegang und durch die kurze Welle wird es eine Prüfung für unsere Zahnplomben. In der Eignerkabine verabschieden sich beide äußere Kojensegel, da sich durch die Schläge  die Schrauben gelöst haben. Später entdecken wir, dass sich auch die Schrauben der Duschabtrennungen gelockert haben.

Freitag, 14.11.14
Auch unsere Nespressomaschine müssen wir, genauso wie die Tür zum Mastkompartiment, mit Klebeband sichern. Die Nespressomaschine wirft dann noch den Kapselbehälter ab und dort brechen einige Stücke ab. Übers Netz finde ich das Ersatzteil und bestelle es über Günther, einen Transatlantik-Mitsegler. Er wird das Teil nach Teneriffa mitbringen. Vor Almeria können wir dann ein Stück segeln, da wir zur Tankstelle müssen und deswegen den Kurs ändern. Beim Fockbergen reißt dann das Fockschot und zerstört gleich auch den Block. Da dies ein Block mit Hundsfott ist, haben wir keinen Ersatz und eine Umlenkung weniger. Das An- und Ablegemanöver in Alicante ist haarig – wenig Platz und viel Wind. Dann geht es mit dem Diesel weiter, aber diesmal mit dem Wissen, dass wir bis Gibraltar durchfahren können.

Samstag, 15.11.14
Über die Marina in Gibraltar bekommen wir Kontakt zu einem Segelmacher und rufen ihn an. Er sei am Wochenende nicht in Gibraltar, wenn wir aber am Monatag vormittag in Tarifa halt machen könnten, würde er unser Groß reparieren. Da es aber mit der Zeit knapp wird, legen wir in Sotogrande an und Jürgen und Niklas nehmen von dort ein Taxi zum Flughafen Gibraltar. Für eine halbe Stunde am Gästekai müssen wir die halbe Tagesliegegebühr bezahlen. Da die Marina aber insgesamt billig ist, kommen wir mit 20 Euro davon.

Bei der Einfahrt nach Gibraltar habe ich wieder ein besonderes Gefühl. Es ist nicht besonders schön dort, aber es hat irgendwas. Da wir eigentlich einen Tag zu spät sind, wird es ziemlich hektisch. Einklarieren, Putzen, alte Crew verabschieden und neue Crew begrüßen. Jorge (der spanische Jürgen) und Ronnie gehen von Bord. Schade, Jungs, ich wäre gern weiter mit euch beiden gesegelt!

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Blog12-Dagallo-Atlantiküberquerung-MöweII-Etappe3-Delphine

by Reinhard Laufer

Reinhard segelt seit 50 Jahren, zuerst auf den Seen der Steiermark, dann zwischen den Inseln Kroatiens, zuletzt dreimal über den Atlantik. Gerade überführt er die „Möwe II“, eine Hanse 545 Dreikabinen-Eignerversion, von Kroatien in die Karibik.