MÖWE II: Palermo – Palma de Mallorca

Sonntag, 2.11.14
Hafentag. Der Rigger kommt mit einem zweiten Mann und spannt die Oberwanten nach. Wir scheren das neue dritte Reff ein, dass wir von Segelwelt nach Maß gespleißt und zugeschickt bekommen haben. Weiters drehen wir das Großschot und das erste Reff um, um leichte Schadstellen am Mantel an nicht neuralgische Stellen zu bringen. Da es kein Trinkwasser an der Mole gibt, wird das Wasser mit Desinfektionsmittel versetzt.

Montag, 3.11.14
Pünktlich um 8:30 Uhr kommt der Elektriker mit einem zweiten Mann. Schnell hat er das Relais ausgebaut und präsentiert verkohlte Kabel – ein Kurzschluss also. Glück gehabt! Das hätte auch in einem Brand enden können. Der Elektriker baut auch das Paneel am Watermaker aus und nimmt es zum Testen mit. Nach ca. drei Stunden ist ein neues, stärkeres Relais eingebaut. Er weist auf die Gefahr eines Kabelbrandes hin und empfiehlt uns, den Watermaker möglichst nicht einzusetzen. Diese Belehrung und die Arbeit endet in einer Rechnung von € 800.-!!!! Wir kommen uns fürchterlich übers Ohr gehauen vor und der vorher sehr positive Eindruck der Marina ist mit einem Mal zerstört. Zu Mittag wird noch getankt – wegen eines zu dicken Einlaufstutzens nur 79 Liter – und wir verlassen Palermo. Solange wir in der Abdeckung von Sizilien fahren, müssen wir dieseln. Dann setzt sich der Südwind durch und wir segeln mit bis zu 20 Knoten Wind herrlich in die Nacht hinein.

Dienstag, 4.11.14
Nach einem traumhaften Segeltag mit bis zu zwei Reffs im Groß legen wir um 22:20 Uhr in Carloforte auf San Pietro an – einer kleinen Insel im Südwesten Sardiniens. Dort finden wir noch ein offenes Restaurant und essen köstliche Thunfischsteaks.

Mittwoch, 5.11.14
Da sich die generelle Wetterlage verschlechtert und teilweise starker Mistral vorhergesagt ist, simulieren wir die Strecke nach Palma mit verschiedenen Abfahrtszeiten. Es stellt sich heraus, dass der Abend der beste Termin zum Auslaufen ist, da wir mit relativ angenehmen Windverhältnissen durchkommen würden. Nach einem Telefonat mit Andreas Hanakamp, der uns u.a. mit dem Routing unterstützt, wird 19:30 Uhr als Auslaufzeit festgelegt. Nach einem heftigen Regenguss legen wir fast trocken ab und dieseln anfangs nach Nordwest, um Höhe zu gewinnen.

Donnerstag, 6.11.14
Der neue Tag empfängt uns kurz nach Mitternacht mit mehreren starken Gewittern mit Spitzenböen über 30 Knoten. Nach Beruhigung der Lage setzen wir die Fock zum Diesel. Der Wind frischt dann tagsüber immer mehr auf, so dass wir die Fock reffen müssen. Die See steigert sich auch im Laufe des Tages auf Douglas 5 (2,5-4m, grober Seegang). Erst gegen Abend und in der Abdeckung von Menorca wird es ruhiger. Außer einer Fähre, der wir ausweichen müssen, und einem Tanker, gegenüber dem wir Kurshalter sind, gibt es dann keine Besonderheiten mehr.

Freitag, 7.11.14
Wir ersehnen die Dämmerung und das Einlaufen nach Palma. Dank gutem Timing sind wir um 09:00 Uhr in der Hafeneinfahrt und bekommen in der dritten angefunkten Marina einen Liegeplatz. Wir sind gewohnt das größte Boot am Steg zu sein – jetzt sind wir das kleinste. Es wimmelt nur von großen Swans und anderen teueren Maxis. Am Steg erwartet uns eine freundliche Dame, die Croissants und Baguettes verkauft, und wir machen uns ein großes Frühstück. Daniel putzt seine Kabine, verlässt uns frühzeitig und geht in sein Hotel. Später versuche ich ein neues Paneel für die Elektrotoilette zu bekommen, werde aber auf Montag vertröstet. Die Doppelspüloption ist defekt und wenn noch mehr ausfallen sollte, bekämen wir ein kleines Toilettenproblem. Am Abend gehen wir noch einmal zusammen essen – auch Daniel ist dabei.

Samstag, 8.11.14
Crewwechsel: Hiltrud und Fritz gehen von Bord, im Laufe des Tages kommen Jan, Ronnie, Niklas, Jürgen und Jürgen2, den wir sofort Jorge nennen, an Bord. Willkommen, Männer – das wird lustig!

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by Reinhard Laufer

Reinhard segelt seit 50 Jahren, zuerst auf den Seen der Steiermark, dann zwischen den Inseln Kroatiens, zuletzt dreimal über den Atlantik. Gerade überführt er die „Möwe II“, eine Hanse 545 Dreikabinen-Eignerversion, von Kroatien in die Karibik.