ILSEBILL: Die (vorerst) letzte Fahrt

Andi Henkel ist DaGallo-Kunde der ersten Stunde. Hier schreibt er über die Abenteuer seiner Familie auf der „Ilsebill“, einem Seekreuzer Typ „Dogger 32“, Baujahr 1968. Von Flensburg aus geht’s mal auf kürzere, im Sommer 2015 dann auf lange Fahrt.

Die Segelsaison 2014 ist zu Ende. Unsere „Ilsebill“ geht ins Winterlager in der Schlei, in die Bootswerft Schleswig, zu Bastian Hauck. Dort soll sie für das nächste Jahr fit gemacht werden, denn im Sommer verbringen wir drei Monate auf der Ostsee – mit der ganzen Familie!

Der Heimathafen der Ilsebill ist Flensburg. Geplant sind zwei Segeltage nach Schleswig. Am Freitagmittag werden die Leinen losgeworfen, gleich nach der Ankunft aus Berlin. Wind ist kaum vorhanden, so dass wir den Motor mitlaufen lassen, um rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit anzukommen. Dafür scheint die Sonne und es ist warm – im Oktober keine Selbstverständlichkeit.

Als wir bei Holnis um die Ecke biegen, frischt der Wind auf und wir können mit Spi und ohne Motor weiter. Idyllischer könnte es kaum sein: hinter uns geht die Sonne unter, neben uns ziehen tausende Nonnengänse mit lautem Geschrei knapp über dem Wasser vorbei.

Als die Vögel weg sind, verabschiedet sich auch der Wind wieder und wir motoren den letzten Rest der Strecke nach Wackerballig. Wir wollen vor Einbruch der Dunkelheit da sein. Beim letzten Besuch in 2013 in diesem Hafen, unserem ersten fremden Hafen überhaupt mit der Ilsebill, haben wir das Anlegemanöver total vermasselt. Ein freundlicher, diskreter Mann nahm die Leinen des quer in den Boxen treibenden Schiffs an und tat, als ob das überhaupt nichts besonderes wäre, als würden hier alle so anlegen. Vielleicht fehlten ihm auch schlicht die Worte. Heute jedenfalls wollen wir möglichst gute Bedingungen haben, um es dieses Mal eleganter zu machen. Und das klappt sogar! Da sonst kein Gast im Hafen ist, gibt’s auch diesmal keinen Kommentar. Schade eigentlich.

Wir gehen noch essen in der Marina Lounge Gelting. Das Restaurant ist schön, es steht direkt am Brückenkopf und der Blick über die Geltinger Bucht ist der Wahnsinn.

Am Samstagmorgen geht es früh los. Unsere erste Fahrt im Nebel – ziemlich aufregend. Nichts ist zu erkennen in der grauen Suppe und ich muss an Abenteuer-Filme mit Piraten denken. Man hört das Nebelhorn des Leuchtturms „Kalkgrund“ immer näher kommen, sieht ihn aber nicht. Irgendwann taucht er dann doch noch auf im Dunst und wir runden ihn in sicherer Entfernung. Gleichzeitig kommt der Wind aus Süd und ordentlich Wellen. Wir kreuzen bis Schleimünde.

Unterwegs reißen wir ein Loch in die Genua, weil das Tape an einem Splint am Bugkorb abgegangen ist. Ich ärgere mich über mich selbst, denn ich hatte das schon vor einiger Zeit gesehen, die Reparatur aber immer wieder verschoben. Jetzt ist es zu spät. Der Wind nimmt zu und ich raffe mich auf, die große Genua zu bergen. So kann ich zumindest verhindern, dass aus dem kleinen Loch ein langer Riss wird.

Wir kommen auch mit weniger Segelfläche schnell weiter und biegen in die Schlei ein. Die Gegend begeistert uns! Hübsche Orte, tolle Landschaft, hinter jeder Ecke muss man den Fotoapparat wieder rauskramen. „Und die Bayern meinen immer, nur bei ihnen ist es schön“, bemerkt Bärbl selbstkritisch.

Nur die beiden Brücken halten uns ordentlich auf. Wir warten erst eine halbe, dann eine ganze Stunde. Bei der zweiten ist es besonders ärgerlich, da wir aus der Entfernung sehen können, wie sie aufgeht. Und aus der Nähe beobachten, wie sie sich wieder schließt. Die Fahrwassertonnen sind alle nicht befeuert, ich sehe mich schon mit der Taschenlampe am Bug stehen, was mir aber erspart bleibt. Wir kommen um Punkt 18:00 Uhr im Stadthafen Schleswig an.

Und das war’s dann. Sonnenuntergang. Saisonende. Schade.

Blog05-DaGallo-Segelhose-Ilsebill

 

Blog05-DaGallo-Segelkleidung-Ilsebill

 

Blog05-DaGallo-Ilsebill

 

Blog05-DaGallo-Wildgänse

 

Blog05-DaGallo-Sonnenuntergang-Ilsebill02

 

Blog05-DaGallo-Leuchtturm

 

Blog05-DaGallo-Brücke

by Andreas Henkel

Andi bloggt über die Abenteuer seiner Familie auf der „Ilsebill“, einem Seekreuzer Typ „Dogger 32“, Baujahr 1968. Von Flensburg aus geht’s mal auf kürzere, im Sommer 2015 dann auf lange Fahrt.